Neuer Temporary Crisis Framework: Staatliche Beihilfen in der Nahost-Krise

Die Europäische Kommission konsultiert die Mitgliedstaaten zu einem Krisenbeihilferahmen für besonders exponierte Wirtschaftssektoren als Reaktion auf die Nahost-Krise. Stark betroffene Branchen könnten von erweiterten Unterstützungsmöglichkeiten und gelockerten Vorgaben profitieren. Im Fokus stehen unter anderem Energiepreise, stromintensive Industrien und ausgewählte Sektoren. Der folgende Beitrag zeigt, welche Maßnahmen konkret geplant sind.

Das geplante Framework

Am 13. April 2026 hat Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigt, dass die Europäische Kommission einen neuen State Aid Temporary Crisis Framework (TCF) erarbeitet. Das Instrument soll die EU-Wirtschaft in der Folge der Nahost-Krise stützen. Es handelt sich um eine vorübergehende und gezielte Lockerung der EU-Beihilferegeln, ohne eine Änderung der Grundkonzeption des europäischen Wettbewerbsrechts vorzunehmen. Rechtsgrundlage ist Art. 107 Abs. 3 lit. c AEUV, der sektorbezogene Beihilfen zur Abwehr unerwarteter wirtschaftlicher Risiken erlaubt.

Inhalt und Art der Unterstützung

Der Entwurf sieht zwei Hauptinstrumente vor.

Erstens eine kalibrierte temporäre Unterstützung für die am stärksten betroffenen Branchen. Dabei soll ein Teil des Preisanstiegs bei Kraft- oder Düngemitteln gegenüber dem Niveau vor dem 28. Februar 2026 abgedeckt werden, bemessen am tatsächlichen Verbrauch der Begünstigten. Außerdem ist eine vereinfachte Beihilfe pro Unternehmen (mit Ausnahme der EU-Nahseeschifffahrt) vorgesehen, bei der sich Mitgliedstaaten auf einschlägige Statistiken stützen können, ohne den tatsächlichen Verbrauch individuell nachzuverfolgen.

Zweitens soll die maximale Beihilfenintensität für Stromkosten energieintensiver Industrien über die bestehende 50%-Obergrenze des Clean Industrial Deal State Aid Framework (CISAF) hinaus angehoben werden können.

Ferner signalisiert die Kommission Bereitschaft, auf Einzelfallbasis temporäre Maßnahmen zur Subventionierung gasbetriebener Stromerzeugung zu prüfen.

Erfasste Sektoren

Ausdrücklich genannt sind Landwirtschaft, Fischerei, Straßengüterverkehr und der unionsinterne Kurzstreckenseeverkehr. Letzterer ist von der Pauschalbeihilfe ausgenommen und kann ausschließlich die kalibrierte Verbrauchsbeihilfe in Anspruch nehmen. Energieintensive Industrien werden über die CISAF-Anpassung erfasst.

Status Quo und Konsultation

Der Rahmen ist nicht rechtsverbindlich und kann noch nicht als Grundlage für Beihilfegewährungen herangezogen werden. Die Kommission hat die Mitgliedstaaten aufgefordert, zum Entwurf Stellung zu nehmen und ergänzende Fragen zu beantworten – unter anderem dazu, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind. Die Antworten sollen schnell ausgewertet werden, sodass eine Annahme des TCF noch bis Ende April 2026 erfolgen kann.

Zurück zur Übersicht

Dr. Daniel Dohrn

Dr. Daniel Dohrn

PartnerRechtsanwalt

Konrad-Adenauer-Ufer 23
50668 Köln
T +49 221 2091 441
M +49 172 1479758

E-Mail

LinkedIn

Dr. Agnès Reinhold

Dr. Agnès Reinhold

AssociateAvocate (Frankreich)

Konrad-Adenauer-Ufer 23
50668 Köln
T +49 221 2091 325
M +49 160 92221878

E-Mail

Konstantin Ogilvie

Konstantin Ogilvie

AssociateRechtsanwalt

T +49 221 2091 556
M +49 151 42446164

E-Mail