RESourceEU-Aktionsplan: Förderchancen und Pflichten für Industrie und Investoren

Mit dem RESourceEU Aktionsplan setzt die EU-Kommission einen zentralen industriepolitischen Impuls zur Sicherung kritischer Rohstoffe in Europa. Der Plan verbindet Fördermöglichkeiten in Milliardenhöhe mit neuen regulatorischen Anforderungen für Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Besonders betroffen sind Industrie, Recyclingwirtschaft und der Bereich der Erneuerbaren Energien. Der folgende Beitrag ordnet die Ziele, Fördergegenstände und regulatorischen Auswirkungen von RESourceEU ein und zeigt auf, wie sich Unternehmen bereits jetzt vorbereiten können.

Mit dem sogenannten RESourceEU-Aktionsplan hat die Europäische Kommission (EU-Kommission) am 3. Dezember 2025 einen zentralen Baustein ihrer Rohstoff- und Industriepolitik vorgestellt. Ziel ist es, die Versorgung der EU mit kritischen Rohstoffen wie Seltenen Erden, Lithium, Kobalt und weiteren strategischen Metallen langfristig abzusichern. Gleichzeitig sollen die Kreislaufwirtschaft sowie Recyclingkapazitäten in Europa deutlich ausgebaut werden.

Laut EU-Kommission soll die EU bis 2030 mindestens 10 % des jährlichen Verbrauchs an kritischen Rohstoffen innerhalb der EU abbauen, 40 % in der EU verarbeiten und 25 % recyceln, um Abhängigkeiten von einzelnen Drittstaaten auf maximal 65 % zu begrenzen.

Der Aktionsplan richtet sich ausdrücklich an Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dazu zählen die Rohstoffgewinnung und Verarbeitung ebenso wie die industrielle Nutzung sowie Recycling und Entsorgung. RESourceEU eröffnet neue Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten, ist jedoch zugleich mit zusätzlichen regulatorischen Anforderungen verbunden. Der Aktionsplan soll das Europäische Gesetz zu kritischen Rohstoffen (EU Critical Raw Materials Act, CRMA) operativ umsetzen, bestehende Finanzierungsinstrumente bündeln und die Umsetzung strategisch relevanter Projekte gezielt beschleunigen. Ab 2026 sollen Fördermittel in Höhe von insgesamt rund drei Milliarden Euro insbesondere aus bestehenden EU-Instrumenten wie InvestEU, dem Innovation Fund oder Global Gateway bereitgestellt werden.

Diese Projekte werden gefördert

Gefördert und unterstützt werden insbesondere strategisch relevante Projekte entlang der Rohstoff- und Recycling Wertschöpfungskette.

Strategische Rohstoffprojekte

Im Mittelpunkt stehen Vorhaben zur Gewinnung, Verarbeitung und Raffination kritischer Rohstoffe innerhalb der EU sowie der Aufbau und die Erweiterung von Verarbeitungs- und Veredelungskapazitäten. Ebenfalls erfasst sind Projekte zur Diversifizierung von Lieferketten, einschließlich Vorhaben in Drittstaaten, die im Rahmen von EU-Partnerschaften umgesetzt werden.

Recycling und Kreislaufwirtschaft

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Recycling- und Kreislaufwirtschaft. Der Aktionsplan zielt dabei auf den Aufbau und die Skalierung von Recyclinganlagen ab, insbesondere für Seltene Erden, Permanentmagnete und Batterierohstoffe. Hinzu kommen Maßnahmen zur besseren Rückgewinnung von Sekundärrohstoffen aus Produktions- und End-of-Life-Abfällen sowie die Förderung innovativer Technologien zur Materialtrennung, Aufbereitung und Wiederverwendung.

Ab 2026 sind Ausfuhrbeschränkungen für Schrott aus Seltenen Erden und Lithium-Ionen-Batterien geplant, um die Verfügbarkeit für europäische Recycler zu sichern.

Forschung, Innovation und Substitution

Darüber hinaus adressiert RESourceEU die Bereiche Forschung, Innovation und Substitution. Unterstützt werden die Entwicklung alternativer Materialien sowie Forschung und Entwicklung neuer Recycling- und Verarbeitungstechnologien.

Über das EU-Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon Europe sollen im Zeitraum 2026–2027 rund 593 Mio. Euro für Projekte in den Bereichen Kreislaufwirtschaft, Prozessinnovation und Substitution bereitgestellt werden. Weitere 100 Mio. Euro sind über den EIC Accelerator vorgesehen, der gezielt innovative und skalierbare Technologieprojekte fördert.

Diese Unternehmen werden gefördert

Adressaten des RESourceEU Aktionsplans sind insbesondere Industrieunternehmen mit hohem Rohstoffbedarf sowie Recycling-, Entsorgungs- und Aufbereitungsunternehmen. Ebenso angesprochen sind Projektentwickler im Rohstoff und Infrastrukturbereich sowie Technologie- und Innovationsunternehmen.

Besonders interessant ist RESourceEU für Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, da der Ausbau von Wind-, Solar- und Speichertechnologien in hohem Maße von der Verfügbarkeit kritischer Rohstoffe abhängig ist, insbesondere von Seltenen Erden, Batterierohstoffen und Spezialmetallen. Das betrifft u. a. Windenergieanlagen aufgrund des Einsatzes von Permanentmagneten (z. B. Neodym, Dysprosium) in Generatoren, Batteriespeicher sowie Netzinfrastruktur und Leistungselektronik wie Transformatoren, Wechselrichter und Leistungshalbleiter.

RESourceEU zielt ausdrücklich darauf ab, diese Abhängigkeiten durch den Ausbau europäischer Verarbeitungs- und Recyclingkapazitäten zu reduzieren. Projekte zur Rückgewinnung von Rohstoffen aus bestehenden Anlagen, zum Recycling von Altkomponenten (z. B. aus Repowering-Projekten) oder zur lokalen Verarbeitung von Rohstoffen können daher als strategisch besonders relevant eingestuft werden.

Voraussetzung für eine Förderung ist, dass das jeweilige Vorhaben einen nachweisbaren Beitrag zur Versorgungssicherheit der EU leistet und mit den Nachhaltigkeits- und ESG-Zielen der EU vereinbar ist.

RESourceEU richtet sich auch an Unternehmen, die von krisenrelevanten Rohstoffen abhängig sind, und erfordert eine proaktive Risikostrategie für Lieferketten, um Unterbrechungen und Haftungsrisiken zu minimieren.

Diese regulatorischen Anforderungen kommen auf Unternehmen zu

Neben Fördermöglichkeiten bringt RESourceEU auch regulatorische Anpassungen mit sich. Es ist davon auszugehen, dass die Kriterien zur Definition förderfähiger strategischer Projekte weiter präzisiert werden. In der Praxis bedeutet dies steigende Anforderungen an Lieferketten- und Nachhaltigkeitskonzepte sowie an den Nachweis sozialer und ökologischer Projektwirkungen im Rahmen von Förderanträgen.

Speziell für Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien ist zudem mit sektorspezifischen regulatorischen Auswirkungen zu rechnen. Dazu gehören verschärfte Produktkennzeichnungs- und Informationspflichten für Komponenten wie Generatoren, Batterien oder Wechselrichter. Ebenso sind strengere Anforderungen an die Recyclingfähigkeit und Rückbaubarkeit von Anlagen zu erwarten, insbesondere im Rahmen von Repowering und Stilllegungsprojekten durch Zielquoten recyclebarer Baugruppen. Hinzu kommen mögliche Einschränkungen bei der Ausfuhr von Altanlagen, Komponenten oder Abfallfraktionen in Drittstaaten.

Unternehmen sollten zudem auf mögliche Vorranganfragen („priority-rated requests“) im Rahmen des Binnenmarkt-Notfall- und Resilienzgesetzes (IMERA) vorbereitet sein. Dieses Instrument erlaubt der EU im Krisenfall, Unternehmen zur bevorzugten Belieferung bestimmter Abnehmer aufzufordern und kann kurzfristige Eingriffe in bestehende Lieferketten und Vertragsbeziehungen zur Folge haben. Diese Entwicklungen können künftig erhebliche Auswirkungen auf bestehende Liefer-, Wartungs-

 und Entsorgungsverträge haben und erfordern eine frühzeitige rechtliche Prüfung.

RESourceEU: Das sollten Sie als Unternehmer jetzt tun

Unternehmen sollten sich frühzeitig mit den Förder- und Regulierungsmechanismen von RESourceEU auseinandersetzen und ihre Projekte entsprechend vorbereiten. Eine vorausschauende Projektstrukturierung wird entscheidend dafür sein, Förderchancen zu nutzen und regulatorische Risiken zu minimieren.

Wir beraten Unternehmen umfassend bei der rechtlichen Begleitung von Rohstoff-, Verarbeitungs- und Recyclingprojekten. Dies umfasst insbesondere die Identifikation und Strukturierung förderfähiger Projekte sowie die Begleitung von Förder- und Beihilfeverfahren, die Umsetzung neuer Produkt-, Recycling- und Compliance-Vorgaben sowie die rechtliche Begleitung von Repowering-, Rückbau-, Recycling- und Rückgewinnungsprojekten.

Kontaktieren Sie uns gerne. Wir prüfen gemeinsam mit Ihnen, ob und in welcher Form Ihr Projekt unter den RESourceEU-Aktionsplan fällt, wie Altkomponenten rechtssicher verwertet oder recycelt werden können und analysieren Ihre Liefer- und Entsorgungsverträge im Hinblick auf mögliche Exportbeschränkungen.

 

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Sebastian Gutmann

Sebastian Gutmann

PartnerRechtsanwalt

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